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Kallisto


Kallisto

Kallisto (vom altgriechischen Namen Καλλίστη Kálliste „die Schönste“ = Kallisto, eine Geliebte des Zeus) (auch Jupiter IV, Callisto) ist mit einem Durchmesser von 4821 km der zweitgrößte und äußerste der vier großen Monde des Planeten Jupiter und der drittgrößte Mond des Sonnensystems.

Geschichte

Kallistos Entdeckung wird dem italienischen Gelehrten Galileo Galilei zugeschrieben, der im Jahre 1610 sein einfaches Fernrohr auf den Jupiter richtete. Die vier großen Monde Io, Europa, Ganymed und Kallisto werden auch als die Galileischen Monde bezeichnet.

Benannt wurde der Mond nach Kallisto, einer Geliebten des Zeus aus der griechischen Mythologie. Der Sage nach wurden Kallisto und ihr Sohn Arkas später in Bären verwandelt und an den Sternenhimmel versetzt. Kallisto ist demnach gleich zweimal am Himmel zu sehen, als Sternbild Großer Bär (Großer Wagen) und als Mond des Jupiter.

Der Name Kallisto wurde von Simon Marius bereits kurz nach seiner Entdeckung vorgeschlagen, konnte sich jedoch über lange Zeit nicht durchsetzen. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts kam er wieder in Gebrauch. Vorher wurden Monde üblicherweise nur mit römischen Ziffern nummeriert und Kallisto mit Jupitermond IV bezeichnet, da die Nummerierung ursprünglich nach der Größenfolge der Umlaufbahnen vorgenommen wurde.

Die Galileischen Monde sind so hell, dass man sie bereits mit einem Fernglas oder kleinen Teleskop beobachten kann.

Umlaufbahn und Rotation

Kallisto umkreist Jupiter in einem mittleren Abstand von 1.833.000 km in 16 Tagen 16 Stunden und 32,2 Minuten. Ihre Bahn weist eine Exzentrizität von 0,007 auf und ist 0,51° gegenüber der Äquatorebene des Jupiter geneigt.

Als der äußerste der Galileischen Monde ist Kallisto von der Umlaufbahn des nächstinneren und größeren Ganymed über 800.000 km entfernt. Im Verhältnis zur Umlaufzeit des Ganymed bewegt sich Kallisto in einer 3:7-Bahnresonanz, im Unterschied zu den 1:2-Resonanzen zwischen den jeweils benachbarten drei inneren großen Monden.

Kallisto rotiert in 16 Tagen 16 Stunden und 32,2 Minuten um die eigene Achse und weist damit, wie der Erdmond und die übrigen inneren Jupitermonde, eine gebundene Rotation auf.

Monde

Physikalische Eigenschaften

Kallisto hat einen mittleren Durchmesser von 4821 km und ist damit fast genauso groß wie der Planet Merkur (4878 km). Ihre Dichte ist mit etwa 1,83 g/cm3 etwas kleiner als die von Ganymed, aber deutlich kleiner als die der beiden anderen Galileischen Monde Europa und Io.

Sie hat im Vergleich zu den anderen Galileischen Monden eine sehr dunkle Oberfläche mit einer Albedo von 0,2, das heißt nur 20 % des eingestrahlten Sonnenlichts werden reflektiert. Die Oberflächentemperatur beträgt im Schnitt - 139 Grad Celsius.

Oberflächenstrukturen

Kallisto weist die höchste Dichte an Impaktkratern im ganzen Sonnensystem auf. Krater und bei deren Einschlag entstandene konzentrische ringförmige Erhebungen prägen die Oberfläche; größere Gebirgszüge sind nicht vorhanden. Dies lässt darauf schließen, dass Kallistos Oberfläche überwiegend aus Wassereis zusammengesetzt ist. Die Eiskruste hat über geologische Zeiträume hinweg nachgegeben, wobei ältere Krater und Gebirgszüge eingeebnet wurden.

Zwei riesige Einschlagsbecken, umgeben von konzentrischen Ringwällen, sind die auffälligsten Strukturen auf Kallisto. Das größte Becken, Valhalla, hat einen Durchmesser von 600 km, eine helle Zentralregion und Ringe, die sich über 3000 km ausdehnen. Das Becken Asgard dehnt sich insgesamt über 1600 km aus. Eine andere interessante Struktur ist Gipul Catena, eine Kette von Impaktkratern, die als gerade Linie über die Oberfläche verläuft. Verursacht wurde die Struktur offensichtlich von einem Himmelskörper, der wie der Komet Shoemaker-Levy 9 vor dem Einschlag durch die Gezeitenkräfte des Jupiter zerrissen wurde.

Das Alter der Oberfläche Kallistos wird auf 4 Milliarden Jahre datiert. Sie war seit der Frühzeit der Entstehung des Sonnensystems keinen größeren Veränderungen unterworfen, was bedeutet, dass der Mond seit dieser Zeit geologisch nicht mehr aktiv war. Anders als der benachbarte Ganymed mit seiner auffälligen Oberfläche weist Kallisto keine Anzeichen von Plattentektonik auf, obwohl sie in etwa gleich groß ist. Ihre geologische Entwicklung war offensichtlich wesentlich einfacher verlaufen, beziehungsweise nach relativ kurzer Zeit abgeschlossen, während in den übrigen Galileischen Monden komplexere Vorgänge stattfanden.

Die sichtbare Oberfläche liegt auf einer Eisschicht, die eine geschätzte Mächtigkeit von 200 km aufweist. Darunter befindet sich vermutlich ein 10 km tiefer Ozean aus flüssigem Salzwasser, worauf magnetische Messungen der Raumsonde Galileo hinweisen. Ein weiteres Indiz für flüssiges Wasser ist die Tatsache, dass auf der entgegengesetzten Seite des Kraters Valhalla keine Brüche und Verwerfungen sichtbar sind, wie sie auf massiven Körpern, wie dem Erdmond oder dem Planeten Merkur beobachtet werden können. Eine Schicht flüssigen Wassers hat offensichtlich die seismischen Schockwellen gedämpft, bevor sie sich durch das Mondinnere bewegten.

Innerer Aufbau

Das Innere Kallistos ist demnach aus etwa 60 % silikatischem Gestein und 40 % Wassereis aufgebaut, wobei mit zunehmender Tiefe der Silikatanteil ansteigt. Von ihrer Zusammensetzung her ähnelt Kallisto dem Saturnmond Titan und dem Neptunmond Triton. Ihre Masse beträgt daher trotz ihrer Größe nur knapp ein Drittel der Masse des Merkur und ist etwa 30 % größer als die Masse des Erdmondes.

Atmosphäre

Aktuelle Beobachtungen weisen darauf hin, dass Kallisto eine äußerst dünne Atmosphäre aus Kohlendioxid besitzt.

Magnetfeld

Die Sonde Galileo hatte bei ihren Vorbeiflügen ein schwaches Magnetfeld bei Kallisto gemessen, dessen Stärke variiert, während sich der Mond durch die extrem starke Magnetosphäre des Jupiter bewegt. Dies deutet auf das Vorhandensein einer elektrisch leitenden Flüssigkeit, wie Salzwasser, unterhalb Kallistos Eiskruste hin.

Erkundung durch Sondenmissionen

Die Erkundung der Kallisto durch Raumsonden begann in den Jahren 1973 und 1974 mit den Jupiter-Vorbeiflügen von Pioneer 10 und Pioneer 11. 1979 konnten Voyager 1 und Voyager 2 erstmals genauere Beobachtungen des Mondes vornehmen. Der Großteil des Wissens über Kallisto stammt jedoch vom Galileo-Orbiter, welcher 1995 das Jupitersystem erreichte und während den darauf folgenden acht Jahren mehrere Vorbeiflüge am Jupitermond vollführte.

Für das Jahr 2020 hatten die Raumfahrtbehörden NASA und ESA die gemeinsame Europa Jupiter System Mission/Laplace vorgeschlagen, welche mindestens zwei Orbiter vorsah, die jeweils in einen Orbit um Europa und Ganymed eintreten und das gesamte Jupitersystem mit einem revolutionären Tiefgang erforschen sollten.

Die NASA, die den JEO bauen wollte, stieg jedoch aus dem Projekt aus. Die ESA verwirklicht jedoch den JGO mit leicht abgewandelter Missionsplanung als JUICE. JUICE soll nach ihrer Ankunft am Jupiter in Jahr 2030 und zwei Vorbeiflügen an Europa und 12 Vorbeiflügen an Kallisto 2032 in einen Orbit um Ganymed einschwenken. Da die NASA Sonde entfällt, wurden die beiden Europa Vorbeiflüge in den Missionsplan für JUICE aufgenommen.

Mögliche bemannte Missionen

Spätestens seit den 1980er Jahren gilt Kallisto als mögliches Ziel der bemannten Raumfahrt für die Zeit nach einem bemannten Marsflug, da sie außerhalb des Strahlengürtels um den Jupiter liegt.

Im Jahr 2003 veröffentlichte die NASA eine Studie mit dem Titel Revolutionary Concepts for Human Outer Planet Exploration (deutsch etwa Revolutionäre Konzepte zur Erkundung der äußeren Planeten durch Menschen), die eine solche Mission – mit Start ab 2045 – in verschiedenen Varianten diskutiert. Als Gründe für die Wahl von Kallisto als Ziel wurden zum einen die stabile Geologie und die vergleichsweise geringe Entfernung zur Erde genannt. Weiterhin könne das Eis auf der Oberfläche zur Gewinnung von Wasser und Treibstoff genutzt werden. Als weiterer Vorteil wurde die geringe Distanz zu Europa bezeichnet, dies ermögliche es der Besatzung, Roboter auf diesem wissenschaftlich äußerst interessanten Mond mit geringer Latenz fernzusteuern, ohne dessen Strahlung ausgesetzt zu sein.

Als Voraussetzung für die Durchführung der Mission nennt die Studie eine intensive Erkundung durch unbemannte Sonden ab etwa 2025. Je nach gewähltem und verfügbarem Antrieb würde die eigentliche Mission mit ein bis drei Raumschiffen starten, wobei jeweils eines die Besatzung und die übrigen die Bodenstation, eine Anlage zur Wassergewinnung (In-situ Resource Utilization) und einen Reaktor zur Energieerzeugung transportieren. Die Missionsdauer liegt zwischen zwei und fünf Jahren mit einer Aufenthaltsdauer von 32 bis 123 Tagen auf dem Mond, wobei aufgrund der unterschiedlichen Antriebstechniken kein Zusammenhang zwischen der Flug- und der Aufenthaltsdauer besteht.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine bemannte Kallisto-Mission ab dem Jahr 2045 grundsätzlich möglich sei und benennt eine Reihe von Technologien, die bis dahin entwickelt werden müssten. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass diese Technologien teilweise auch für Missionen zum Erdmond und Mars benötigt werden oder zumindest von Vorteil seien.

(Last Modified: 26. February 2017 10:22:04)
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