io
(Europe/Berlin)
Topics viewed: 392892

Sibel Kekilli


Sibel Kekilli

Sibel Kekilli

Sibel Kekilli (* 16. Juni 1980 in Heilbronn) ist eine deutsche Schauspielerin. Sie wurde bekannt als Hauptdarstellerin in Fatih Akins mehrfach prämiertem Film Gegen die Wand, als Shae in der US-Fantasyserie Game of Thrones und durch die Rolle der Sarah Brandt im Kieler Tatort. Für ihre Darstellungen erhielt sie zweimal den Deutschen Filmpreis und wurde als beste Schauspielerin beim Tribeca Film Festival ausgezeichnet.

Sibel Kekilli

Jugend

Sibel Kekilli wurde 1980 in Heilbronn als Tochter eines Arbeiters und einer Putzfrau geboren. Sie hat eine zweieiige Zwillingsschwester und zwei jüngere Brüder. Ihre Eltern, die 1977 aus einem Bergdorf der türkischen Provinz Kayseri nach Deutschland gekommen waren, beschreibt sie als „relativ moderne muslimische Eltern“, die sie ins Freibad und auf Klassenfahrten gehen ließen und ihr nie ein Kopftuch aufgezwungen haben; auch ihre Mutter trug kein Kopftuch. Sie sollte nach dem Willen ihrer Eltern aber kein Abitur machen und durfte auch nicht mit ihrer Klasse ins Schullandheim.

Kekilli besuchte die Fritz-Ulrich-Schule im Heilbronner Stadtteil Böckingen, die sie nach der 10. Klasse als Klassenbeste mit einem Notendurchschnitt von 1,7 und der Mittleren Reife abschloss. Sie wollte dann das Gymnasium besuchen und später Jura oder Medizin studieren, was ihre Eltern aber nicht erlaubten. 1999 wollte sie nach eigenen Angaben, die ihr Agent nicht bestätigen wollte, ihren Freund heiraten, was daran gescheitert sein soll, dass sie das türkische Ehefähigkeitszeugnis, das sie wegen ihrer türkischen Staatsbürgerschaft benötigte, nicht rechtzeitig erhielt. Im selben Jahr beantragte sie die Entlassung aus der türkischen Staatsbürgerschaft, um die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen zu können.

Von September 1997 bis Februar 2000 absolvierte sie bei der Heilbronner Stadtverwaltung eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Anschließend war sie bis Juli 2002 bei den städtischen Entsorgungsbetrieben tätig, für die sie Müllgebührenbescheide bearbeitete. Weil Heilbronn ihr „irgendwie zu spießig, zu klein“ war, kündigte sie dort nach zwei Jahren und zog nach Essen.

Sie arbeitete dann als Verkäuferin, Türsteherin, Reinigungskraft, Geschäftsführerin eines Nachtclubs, Kellnerin, Promoterin und als Fotomodell, u. a. für die Zeitschrift Coupé und für die Fotografin Tamara Amhoff-Windeler.

Außerdem wirkte sie 2001 und 2002 über einen Zeitraum von 6 Monaten unter Pseudonymen in mehreren Pornofilmen mit, unter anderem für die Regisseure Josef Baumberger und Harry S. Morgan, die nach Kekillis Durchbruch als Charakterdarstellerin steigende Verkaufszahlen verzeichneten.

Schauspielkarriere

Im August 2002 wurde Kekilli in Köln auf der Straße von einer Casting-Agentin angesprochen, ob sie in einem Film des Regisseurs Fatih Akin mitspielen wolle. Sie sagte zu und setzte sich beim Casting für die weibliche Hauptrolle des Films Gegen die Wand gegen etwa 350 Mitbewerberinnen durch. 2002 und 2003 nahm Kekilli drei Wochen lang Unterricht in den Fächern Schauspiel und Improvisation sowie Stimm- und Sprechtraining an der Schauspielschule Bochum. Der Film wurde bei der Berlinale 2004 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, zudem erhielt er in Barcelona den Europäischen Filmpreis als bester europäischer Film des Jahres 2004. Auch Sibel Kekilli erhielt für ihre schauspielerische Leistung in diesem Film mehrere bedeutende Filmpreise. Die Dreharbeiten in der Türkei hatten sich äußerst schwierig gestaltet, da Kekilli wegen einer Blinddarmentzündung in einem Krankenhaus behandelt werden musste.

Kekilli wirkte seither in einer Reihe auch internationaler Spielfilmproduktionen mit. Für ihre erste Hauptrolle in einem türkischen Spielfilm, Eve Dönüş (2006), wurde sie auf dem wichtigsten nationalen Filmfestival der Türkei, dem Golden Orange Film Festival, als beste Darstellerin ausgezeichnet. Ebenfalls 2006 spielte sie in dem Holocaust-Film Der letzte Zug eine der mit dem letzten Zug vom Bahnhof Berlin-Grunewald nach Auschwitz abtransportierten jüdischen Frauen und in Winterreise die junge Kurdin Leyla, die als Dolmetscherin einen älteren Mann, der sich mit kenianischen Betrügern eingelassen hat, nach Afrika begleitet. 2008 hatte sie als Layla eine größere Rolle in dem Spielfilm Blutige Stadt aus der Reihe Nachtschicht. In dem finnischen Spielfilm Pihalla (deutscher Verleihtitel Auf dem Spielplatz) spielte Kekilli 2009 eine deutsche Mutter, die mit ihrem beruflich stark eingespannten Mann und einer kleinen Tochter von Hamburg nach Tampere umzieht und dort nach Kulturschock und Einsamkeit eine Affäre mit einem Familiencafébetreiber und Rocksänger beginnt.

Ihre erste Titelrolle hatte sie in dem Kinofilm Die Fremde, der auf der Berlinale 2010 erstaufgeführt wurde, als kurdischstämmige Deutsche, die aus einer in Istanbul geführten Ehe ausbricht, um mit ihrem Sohn in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Diese Rolle brachte ihr nicht nur den Bernhard Wicki Filmpreis, den Darstellerpreis des Filmfestivals Türkei/Deutschland und zum zweiten Mal den Deutschen Filmpreis ein, sondern auch die Auszeichnung als beste Schauspielerin auf dem Tribeca Film Festival in New York City. In ihrer Dankesrede zum Deutschen Fernsehpreis machte Kekilli darauf aufmerksam, dass es ihr, obwohl sie bereit sei, alles zu spielen, an Rollenangeboten mangele. In der Vergangenheit hatte sie wiederholt den Wunsch geäußert, nicht auf das Rollenbild türkischstämmiger Figuren festgelegt zu werden.

Sie entfernte sich immer weiter von diesem Rollenklischee, insbesondere seit 2010 durch ihre Serienrollen als Sarah Brandt im Tatort Kiel an der Seite von Axel Milberg und als Prostituierte Shae in der von HBO produzierten amerikanischen Fernsehserie Game of Thrones nach der Romanserie Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin. In dieser Rolle war sie in den ersten vier Staffeln der Serie zu sehen, zum ersten Mal trat sie dabei in der Folge Baelor auf, die am 12. Juni 2011 ausgestrahlt wurde; in der deutschen Fassung synchronisiert sie sich selbst. In dem Fernsehzweiteiler Gier von Dieter Wedel (2010) spielte sie die Figur der Nadja Hartmann, die sich im Umfeld eines großspurigen Anlagebetrügers, gespielt von Ulrich Tukur, sonnt. 2011 war Kekilli mit What a Man unter der Regie von Matthias Schweighöfer erstmals in einer Filmkomödie zu sehen. In dem 2013 veröffentlichten Spielfilm Die Männer der Emden über die Geschichte der Besatzung des Kreuzers SMS Emden im Ersten Weltkrieg stellte sie die Salima Bey dar.

Kekilli arbeitet auch als Hörbuchsprecherin. Innerhalb der Hörbuchreihe Starke Stimmen der Frauenzeitschrift Brigitte las sie 2005 den Roman Sinn und Sinnlichkeit von Jane Austen. Außerdem war sie als Hauptdarstellerin in einem Musikvideo der Gruppe Rosenstolz für die Benefiz-Single Aus Liebe wollt ich alles wissen zu sehen.

Der Beitrag stammt von der Webseite Youtube >>LINK<<

Medienkampagne

Nachdem Gegen die Wand bei der Berlinale 2004 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet worden war, machte die Bild-Zeitung Kekillis Vergangenheit als Pornodarstellerin bekannt. Die Berichterstattung über Kekilli löste heftige Diskussionen, Missfallensäußerungen sowie Solidaritätsbekundungen aus. „Es war wirklich so, wie es immer heißt: Ich war jung und brauchte Geld“, erklärte Kekilli. Am 18. November 2004 forderte sie bei der im Fernsehen übertragenen Bambi-Verleihung Bild und den Express auf, „diese dreckige Hetzkampagne“ zu beenden. Am 2. Dezember 2004 rügte der Deutsche Presserat öffentlich die Berichterstattung von Bild über Kekilli wegen Verletzung der Menschenwürde: „Das öffentliche Interesse deckt eine Form der Berichterstattung nicht, in der die Persönlichkeit der Betroffenen auf das reduziert wird, was man über diese in den Klappentexten von Pornofilmkassetten lesen kann“. Erst am 18. März 2006 druckte Bild die Rüge auf Seite 4 ab. Im Januar 2005 untersagte das Kammergericht Berlin der Bild die Veröffentlichung und Verbreitung eines Nacktfotos Sibel Kekillis. Die Richter beurteilten es als „Teil einer Kampagne“, mit der Kekilli „in höhnischer Weise herabgesetzt und verächtlich gemacht“ wurde und als Eingriff in die Würde eines Menschen. Im September 2010 wurde dem Sender RTL die Verwendung von Ausschnitten aus diesen Filmen gerichtlich untersagt.

Engagement

Seit 2004 ist Kekilli Botschafterin von Terre des Femmes und engagiert sich unter anderem für Frauenrechte. Sie war als Kind vom Islam fasziniert, fühlt sich aber heute keiner Religion zugehörig. Eine ihrer Äußerungen zu häuslicher Gewalt in muslimischen Familien („Ich habe selbst erlebt, dass körperliche und seelische Gewalt in einer muslimischen Familie als normal angesehen wird. Leider gehört Gewalt im Islam zum Kulturgut“) führte bei einer Veranstaltung der Zeitung Hürriyet am 1. Dezember 2006 im Abgeordnetenhaus von Berlin dazu, dass der türkische Generalkonsul Ahmet Nazif Alpman demonstrativ den Saal verließ. Er habe Kekillis Aussagen als Diskriminierung von Muslimen empfunden, betonte er gegenüber der taz. Auf einem gemeinsam von Bundespräsident Joachim Gauck und Terre des Femmes organisierten Symposium gegen Gewalt im Namen der Ehre am 6. März 2015 hielt sie eine Rede, die in der FAZ veröffentlicht wurde. Bei der Verleihung des Anne-Klein-Frauenpreises an die Kurdin Nebahat Akkoç für ihren Kampf gegen staatliche und häusliche Gewalt und die Verteidigung der Rechte der Frauen in der Türkei war Sibel Kekilli die Laudatorin

Im Zuge der Proteste in der Türkei 2013 stellte sich Kekilli auf die Seite der Demonstranten. In einem heute-Interview vom 10. Juni 2013 äußerte sie: „Ich würde genau dafür auf die Straße gehen. Für ein Land, das Atatürk gegründet hat, Frauenrechte eingeführt, Religion vom Staat getrennt und in Dörfern Kinder unterstützt hat, die ohne diese Hilfe nie Ärzte oder Lehrer hätten werden können“.

(Last Modified: 26. February 2017 10:21:58)
(Lettercount: 8756)

Themen-Wolke

  Tschirner     Schelling     Riefenstahl     Fichte     Adorno     Anke Engelke     Jupiter     Anne Will     Bad Schandau     Sibel Kekilli     Jodie Foster     Kant     Dennewitz     Debussy     Petridou     Johann Tetzel     OpenCV     Weltmeister     Christen     Feuerbach     Liga-Script     Scholl-Latour     Goethe     Klemmkuchen     Nietzsche     Bloch     Ina Müller     Io     Neukölln     Illusion     Spargel     Zervakis     Sokrates     Berlin     Hertha BSC     Ginny Good     Slawen     Titeltt     Wissen-5     De Sade     Stolz auf Sido     De France     Galilei     Daubner     Heimat     Philosophie     Max Moor     F1-Script     WetterApp     Lindwurm     Wissen-4     Flaeming     Sagen     TV-Script     Europa     Bedingfield     Müntzer     Martin Luther     Perl     Shambhala     Schiller     Jueterbog     Fotos     Kuttner     Novatlan     IRCnet     Siemens     Caren Miosga     Platon     Misanthrop     Wissen-3     Statistik     Moss     Hegel     Maerchen     Kim Fisher     Melanchthon     Pielhau     Wissen-2     Pinar Atalay     Lierhaus     Miss Platnum     Schmidt     Compiz     Xenophon     Richter     Kohlhaas     Wissen-1     Stirner     Impressum     Sotschi     Kloster Zinna     Ingwer     TCL     Antimarteria     Judith Rakers     BVG     Esmée Denters     Ganymed     Kallisto     Freud     Kontakt     Brandenburg     Marlene Dietrich     Schopenhauer     Schöneberger     Schlafparalyse  

(Themecount: 107)