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Xenophon


Xenophon

Xenophon (griechisch Ξενοφῶν; * zwischen 430 und 425 v. Chr. in Athen; † nach 355 v. Chr. in Korinth) war ein antiker griechischer Politiker, Feldherr und Schriftsteller in den Bereichen Geschichte, Ökonomie und Philosophie.

Leben

Was man heute über Xenophons Leben weiß, ist im Wesentlichen seinen eigenen Werken und einer philosophiegeschichtlichen Schrift aus dem 3. Jahrhundert entnommen.

Xenophon, Sohn des Gryllos, war Athener aus dem Demos Erchia. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie, vermutlich aus dem „Ritterstand“, die eher oligarchisch gesinnt war. Er wurde bereits in jungen Jahren (zwischen 410 und 401 v. Chr.) ein Anhänger des athenischen Philosophen Sokrates, der ihm einer Anekdote zufolge in einer engen Gasse den Weg versperrt habe und ihn gefragt haben soll, wo man diverse Lebensmittel kaufen könne. Nachdem der junge Xenophon geantwortet hatte, fragte ihn Sokrates: „Und wo werden die Menschen edel und tüchtig?“ Xenophon wurde stutzig und soll Sokrates seitdem gefolgt sein. Auch wenn die Bekanntschaft mit Sokrates nicht lange gedauert haben kann (Xenophon verließ Athen 401 v. Chr., Sokrates starb während seiner Abwesenheit 399 v. Chr.), hielt Xenophon an Sokrates fest und verfasste lange Zeit später Dialoge, in denen Sokrates als Hauptakteur Gespräche mit anderen führt.

Im Jahr 402 v. Chr. war der Grieche Proxenos von Theben vom persischen Prinzen Kyros beauftragt worden, für einen Feldzug griechische Söldner anzuwerben, woraufhin dieser unter anderen auch Xenophon ins Heerlager nach Sardes einlud. Xenophon berichtet, unschlüssig gewesen zu sein, da es in Athen mit Sicherheit nicht gern gesehen war, dass Athener in den Dienst der Perser traten, zumal Kyros sich im peloponnesischen Krieg auf die Seite des verfeindeten Sparta gestellt hatte. Er entschied deshalb, extra nach Delphi zu reisen und das dortige Orakel zu befragen. Xenophon stellte die Frage aber nach eigener Aussage selbst so, dass er nicht zur Antwort erhielt, ob er reisen sollte, sondern nur, an welche Götter er sich wenden sollte, um die Reise heil zu überstehen. So reiste er 401 v. Chr. ins Achämenidenreich.

Xenophon begleitete den griechischen Teil des sogenannten Zuges der 10.000 anfangs als Zivilist ohne militärische Funktion. Der Anführer Kyros fiel aber bereits 401 v. Chr. in der Schlacht bei Kunaxa. Das Heer löste sich auf und der griechische Söldnertrupp musste versuchen, sich alleine bis ans Meer durchzuschlagen. Als auch deren Führer, Proxenos von Theben, fiel, wurde Xenophon, dessen Stimme schon vorher immer gewichtiger wurde, als neuer Befehlshaber gewählt, lehnte aber nach eigenen Angaben ab. Xenophon gelangte mit dem Heer ans Schwarze Meer, dann über Byzantion nach Pergamon.

In den darauffolgenden Jahren schloss sich der in Athen unerwünschte Xenophon den Spartanern und ihrem von Agesilaos geführten Heer an. Diese schenkten ihm daraufhin ein Landgut in Skillus, auf das er sich in den 380er-Jahren mit seiner Frau Philesia und den zwei Söhnen zurückzog. Dort kümmerte er sich um die Wirtschaft und widmete sich geistigen Betätigungen. Hier entstanden die geschichtlichen Werke Anabasis und Hellenika sowie eine ökonomische Schrift und philosophische Dialoge. 371 v. Chr. fiel Skillus allerdings und Xenophons Familie übersiedelte nach Korinth. 367/366 wurde das Verbannungsurteil Athens über Xenophon aufgehoben, worauf er sich, wie man aber nur annehmen kann, nach 35 Jahren dorthin zurückbegab, dann aber laut Diogenes Laertios in Korinth starb.

Xenophon

Über Beziehungen zu anderen Sokratesschülern wissen wir nicht viel, zu Platon und Aristippos von Kyrene soll er aber in einem schlechten Verhältnis gestanden haben. Diogenes Laertios führt es auf eine Rivalität der beiden Philosophen zurück, dass sowohl Xenophon wie Platon ein Gastmahl und eine Verteidigungsrede des Sokrates verfasst haben. Weiters habe der eine moralische Abhandlungen, der andere seine Memorabilia geschrieben und Platon die Erziehung des Kyros (es gibt eine Schrift Xenophons dazu) als Fiktion abgetan. Einige Forscher finden in den Memorabilien Xenophons zahlreiche Reminiszenzen an die Dialoge Platons.

Nachwirkung

Xenophons Werke, insbesondere die sokratischen Schriften und die Anabasis, waren unter anderem wegen ihrer nüchtern-klaren Sprache beliebt (er wurde unter anderem von Marcus Tullius Cicero gelesen und gelobt); er bleibt auch bis heute ein wichtiges Stilvorbild für das attische Griechisch. Da Xenophon teilweise Augenzeuge der berichteten Ereignisse war, ist er außerdem eine wichtige Quelle für die griechische Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. und hat in neuerer Zeit wieder das Interesse der Forschung erregt. Auch für die Philosophiegeschichte ist er von Bedeutung als kritische Ergänzung zur Darstellung des Sokrates in den Werken Platons. Seine Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen. Die dort zu findenden Hinweise haben auch heute noch unverändert Gültigkeit.

Xenophon machte sich auch Gedanken zur Ökonomie, die er vor allem in zwei Büchern festhielt: Oeconomicus (Gespräch über die Haushaltsführung) und De Vectigalibus (Mittel und Wege, dem Staat Geld zu verschaffen). In diesen beschäftigt er sich mit den Prinzipien guter Haushaltsführung einerseits und andererseits mit der Wirtschaft Athens. Tomáš Sedláček sieht diese Werke als die allerersten eigenständigen Lehrbücher für Mikro- und Makroökonomie.

Darüber hinaus beschäftigte sich Xenophon mit subjektiver Wertlehre und Arbeitsteilung.

(Last Modified: 26. February 2017 10:21:58)
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